Körper und Bewusstsein

Ihr Körper liebt Sie.


Lange Zeit ging ich davon aus, dass die Beziehung zwischen Körper und Bewusstsein ziemlich einseitig ist: Das Bewusstsein ist eingeladen, den Körper zu lieben. Und der Körper? Der ist einfach da und tut, was ein Körper eben tut. Schlafen, verstoffwechseln, regenerieren, schmerzen, krank werden, heilen.

Und dann, eines Tages, durchfuhr mich beim Meditieren die Erkenntnis: «Dein Körper liebt dich.»

Wie sollte es auch anders sein?
Dieser Körper hat, als er noch ganz klein war (ein Embryo oder sogar noch früher), dem Wesen, das wir sind, erlaubt, uns in ihn hineinzubetten.
Er ist mit uns aufgewachsen, hält und trägt uns. Er bietet uns ein Zuhause an und bleibt dabei äusserst geduldig – selbst dann, wenn wir uns zu wenig oder auf die falsche Weise um dieses Zuhause kümmern.
Wenn wir Viren und Bakterien ausgesetzt sind, springt das Immunsystem an. Der Körper tut alles, um gesund zu bleiben oder wieder gesund zu werden. Er will sich erhalten, um das Wesen, das wir sind, weiterhin tragen zu können. 
Der Körper macht uns die Welt erfahrbar und lässt uns auch für die Welt erfahrbar werden.

Natürlich ist die Stofflichkeit – dieser Körper – äusserst vulnerabel. Er ist der Zeit, Umwelteinflüssen, Krankheiten, Verletzungen und auch der Genetik ausgesetzt. Aber er tut sein Bestes, um für uns und mit uns da zu sein.

Dieser Körper ist ein eigenes Wesen mit seinen eigenen Funktionsprinzipien. Und kaum ein Wesen wird uns je so offen, herzlich und verzeihend zugewandt sein wie dieser Körper.

Tragen wir ihm Sorge, diesem treuen Reisegefährten. Lächeln wir ihm liebevoll zu. Nähren wir ihn mit mitfühlenden Gedanken, mit unserer Herzlichkeit, mit unserer Sorgfalt und unserem Kümmern. Und umarmen wir ihn ein letztes Mal innig, wenn wir auf dem Sterbebett liegen. Wir sind nur Durchreisende, für ihn hingegen ist es ein ganzes Leben.

Yoga Aarau