Die Vier Grenzenlosen Geisteszustände - Brahmavihāra 


Als «Brahmavihāra» werden im Buddhismus vier Geisteszustände beschrieben, die idealerweise sowohl in der Meditation als auch im Alltag gepflegt werden. 


Die vier  Brahmavihāra – Liebe (Metta), Mitgefühl (Karuna), Mitfreude (Mudita) und Gleichmut (Upeksha) – gelten als «grenzenlose Geisteszustände», da sie, wenn sie täglich praktiziert werden, ins Unermessliche wachsen können. Sie umfassen schliesslich nicht nur uns selbst, sondern berühren auch alle Lebewesen in unserer Umgebung, welche ihrerseits die Heilsamkeit weitergeben. Und so tragen wir zu mehr Wohlbefinden für uns, unsere Mitmenschen und die ganze Welt bei. 


 

1. Liebe (Metta) 

Metta ist eine bedingungslose, reife, tiefe und wache Liebe, die keine Gegenleistung erwartet. 


Wie kultiviert man Metta?
Achtsamkeit im Alltag begünstigt reife Liebe: Bewusstes, wertungsfreies Wahrnehmen und tiefes Zuhören helfen uns, die Natur des Menschseins und den Wert jedes Lebewesens zu erkennen. 

✅ Unsere Selbstliebe beflügelt die Liebe zu anderen. Die Beziehung zu uns selbst ist der Ausgangspunkt für alle anderen Beziehungen (vgl. Spiegelübung und Einladung zur Selbstliebe).

✅ Mit der Metta-Meditation kultivieren wir innere Güte. Wir senden absichtsvoll liebevolle Gedanken an uns und andere. 



2. Mitgefühl (Karuna) 

Mit Mitgefühl ist nicht Mitleid gemeint. Mitleid vergrössert das Leid. Mitgefühl hingegen ist eine ruhige, zugewandte Anteilnahme, die das Leiden erkennt und es durch die liebevolle Zuwendung mildert. 


Wie kultiviert man Karuna? 

Achtsamkeit im Alltag trägt zu Mitgefühl bei: Wir sind eingeladen, mit Bewusstheit wahrzunehmen, wo unsere Hilfe und unser Verständnis vonnöten sind. 

✅ Gesten des Wohlwollens (eine herzliche Begrüssung, ein aufrichtiges Dankeschön, jemandem die Einkäufe tragen, …) stärken unser Mitgefühl. Wir erleben dabei unsere Verbundenheit mit anderen. 

✅ Unser Selbstmitgefühl und unsere Selbstermutigung lassen unsere Fähigkeit zu Mitgefühl gegenüber anderen wachsen. Du findest hier Impulse dazu: Einladung zur Selbstliebe, Spiegelübung, sich selbst ernst nehmen, Selbstfürsorge, Dem Erleben Raum lassen

 

3. Mitfreude (Mudita) 

Mudita ist eine Freude voller Frieden und Zufriedenheit – die Fähigkeit, sich über das Glück anderer zu freuen, sowie das eigene Wohlbefinden wertzuschätzen. 


Wie kultiviert man Mudita? 

✅ Tiefes, wertungsfreies Zuhören und Empfänglichkeit für das Erleben anderer fördern unsere Empathie und damit unser Mitfreuen. 

✅ Das Führen eines Dankbarkeitstagebuches lenkt unseren Fokus auf die Schönheiten des Lebens. Freude lässt sich entwickeln, trainieren und verstärken! 

✅ Wenn wir beim Meditieren absichtsvoll an Freudvolles denken, sensibilisieren wir uns noch mehr für die schönen Aspekte des Daseins. 

 

4. Gleichmut (Upeksha) 

Upeksha steht für Gelassenheit, Loslassen und ein tiefes Verständnis für die Gleichheit aller Menschen. Gleichmut gilt unter anderem auch als die Weisheit, nicht zwischen «uns» und «den anderen» zu unterscheiden. 


Wie kultiviert man Upeksha? 

Atemmeditationen sowie das Wahrnehmen der Atmung im Alltag tragen zur inneren Ruhe bei. Der Atem ist unser Anker ins Hier und Jetzt; unsere Verbindung zum gegenwärtigen Moment. Der gegenwärtige Moment ist der einzige Moment, in dem das Leben stattfindet. 

✅ Die Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit kann Alltagserlebnisse in Perspektive rücken. Nichts ist von Dauer. Manchmal ist auch folgende Frage wegweisend: «Wird das in zehn Jahren noch von Bedeutung sein?» 

✅ Das Ablegen von Vorurteilen begünstigt Gleichmut. So vieles können wir nicht objektiv beurteilen! So vieles können wir nicht wissen! Und… das müssen wir zum Glück auch nicht. In der Demut des Anfängergeistes entdecken wir den Wert von allen und allem; urteilsfrei, mitfühlend, liebevoll.